Folge 12: Schrebergärten

Besonders in großen Städten suchen die Menschen nach Ruhe und Natur. Sie wollen nicht nur im Haus und in der Arbeit eingesperrt sein, sondern sich im Grünen entspannen und vielleicht sogar etwas Gartenarbeit machen. Klar, auf dem Land kann vielleicht jedes Haus seinen eigenen Garten haben, aber in der Stadt gibt es zu wenig Platz dafür.

Genau deswegen gibt es besondere Orte in der Stadt, wohin sich die Menschen flüchten können, wenn sie gerne im Garten sein und arbeiten möchten: Die Schrebergärten.
Doch einen Schrebergarten zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Die kleinen Gärten sind sehr beliebt, und es gibt sogar - typisch deutsch - ein eigenes Gesetz dazu.

Heute erkläre ich dir, was Schrebergärten genau sind, wie man an einen kommt, und was man alles machen muss, wenn man einen Schrebergarten hat. Lass uns loslegen!

Um zu verstehen was ein Schrebergarten ist, schauen wir uns zuerst den Namen Schrebergarten an.

Der Name kommt von einem Arzt namens Moritz Schreber. Er war Orthopäde, also für Knochen, Rücken und Beine zuständig. Von 1808 bis 1861 lebte er in Leipzig, das ist im Osten von Deutschland.

Er hatte eine Idee: Er wollte, dass Kinder sich draußen an der frisch Luft bewegen, damit sie gesund und fleißig sind.

Er war aber eigentlich gar kein richtiger Gärtner, sondern er hat nur einen kleinen Platz mit Spiel und Übungsgeräten für die Kinder gebaut. Erst nach seinem Tod wurde aus diesem Platz ein Kleingarten. Herr Doktor Schreber zu Ehren wurde dieser Garten dann Schreberplatz oder Schrebergarten genannt.

Eigentlich entstanden diese Kleingarten generell im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit gab es die Industrialisierung, das bedeutet, viele Menschen wurden von Bauern zu Fabrikarbeitern. Die Städte vergrößerten sich, es gab sehr viele Fabriken. Die wurden teils auch auf grüne Flächen gebaut, sodass die Stadt immer grauer und dichter wurde.

Die Menschen lebten in den Städten sowieso sehr schlecht, sie hatten sehr harte Wohnverhältnisse und konnten sich nicht gut ernähren.

Deswegen machte es Sinn, dass die armen Menschen in der Stadt kleine Grundstücke bekamen, auf denen sie gärtnern und Lebensmittel anpflanzen konnten. So verbesserte sich sowohl ihre körperliche als auch ihre geistige Gesundheit.

Es gab schon lange vorher viele kleinere Vereine, aber 1921 schlossen sich alle zusammen zu einem Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands.

Natürlich sind wir in Deutschland, und es gibt auch einige Regeln und Gesetze, an die man sich im Kleingarten halten muss.

Zum Beispiel muss man auf mindestens einem drittel der Fläche Obst und Gemüse für sich selbst anbauen. Das ist die Bedingung dafür, dass der Staat das Land so günstig zur Verfügung stellt.

Außerdem gibt es sehr viele Regeln, wie der Garten auszusehen hat. Die Gartenhecke um den Kleingarten herum darf nur maximal 1,50m hoch sein. Eine Hecke ist eine Pflanze, eine Art zurechtgeschnitter Busch. Sie darf nicht größer sein, damit auch die Allgemeinheit in den Garten hineinsehen kann. Es soll nämlich kein privater Ort sein, sondern alle Menschen sollen sich an den schönen Gärten freuen können.

Es gibt sehr strenge Ruhezeiten am Abend, am Mittag, Sonntags und an Feiertagen. Man darf also nicht die ganze Nacht feiern.

Außerdem ist es auch nicht erlaubt, im Schrebergarten zu wohnen.

Es ist heutzutage nicht einfach, einen Schrebergarten zu bekommen. Vor allem in großen Städten wollen sehr viele Menschen einen haben, aber es gibt nur eine bestimmte Anzahl Gärten. In Berlin zum Beispiel stehen ungefähr 15000 Menschen auf der Warteliste. Deswegen kann es bis zu 12 Jahre dauern, bis man einen Kleingarten bekommen kann.

Wenn du also den Traum hast, später einmal selbst in einem Kleingarten zu gärtnern, dann melde dich besser jetzt schon an. Es könnte eine Weile dauern, bis du einen bekommst

Damit bin ich nun am Ende der heutigen Folge angekommen. Wie schon gesagt, ich habe die website ganzschoendeutsch.de, auf der du den Text nachlesen und dich über alles Aktuelle zum Podcast informieren kannst. Hoffentlich konntest du heute etwas Deutsch lernen! Und jetzt, abschalten