Folge 13: Der Döner-Kebab

Du bist nach der Arbeit oder nach einem langen Schultag auf dem Nachhauseweg und hast noch Hunger? Klar, dann nichts wie ab zum Dönermann und einen lecker Döner Kebab essen! Der Döner ist eine einfaches und günstiges, aber leckeres Gericht. Er besteht aus einem knusprigen Brötchen, in das jede Menge Zutaten hineinkommen. Verschiedene Gemüsesorten, Salat und Soße stecken im Döner. Aber das Wichtigste ist natürlich das Fleisch! Grillfleisch von Drehspieß, lecker und frisch gebraten. Der Name Döner Kebab bedeutet auf Türkisch nämlich "sich drehendes Grillfleisch".

Aber woher kommt der Döner wirklich genau? Ist er eine türkische Erfindung oder in Deutschland entstanden? Und was bedeutet der Döner für die deutsch-türkische Beziehung? Das erkläre ich dir in der heutigen Folge. Lass uns loslegen :)

Um die Geschichte des Döners zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen: Wie du vielleicht weißt, gibt es in Deutschland sehr viele Türken. Menschen, die selbst aus der Türkei kommen oder Eltern aus der Türkei haben. Sie haben einen hohen Anteil an der Zahl aller Ausländer in Deutschland.

Naja, man kann nicht wirklich Ausländer sagen, denn viele der türkisch-stämmigen Menschen in Deutschland sind natürlich mittlerweile eingebürgert. Sie sind also somit Deutsche und haben einen deutschen Pass. Und die Kinder von türkischen Einwanderern haben sowieso meistens die deutsche Staatsbürgerschaft.

Dennoch spricht man bei diesen Menschen von Personen mit Migrationshintergrund. Das bedeutet, in ihrer Familie ist früher schon irgendjemand aus der Türkei nach Deutschland eingewandert.

Doch warum kamen überhaupt so viele Türken nach Deutschland? Das hat mit Gastarbeitern zu tun. Was bedeutet das?

1961 schloss die Bundesrepublik Deutschland mit der Türkei einen Vertrag. Deutschland vereinbarte mit der Türkei, dass wir Gastarbeiter anwerben. Deutschland brauchte nämlich damals sehr viele Arbeiter, und während dieser Zeit gab es in der Türkei eine hohe Arbeitslosigkeit. Das bedeutet, sehr viele Menschen in der Türkei hatten keinen Job. Die Türken konnten also sehr einfach als Gastarbeiter nach Deutschland kommen. Sie waren als Gäste in Deutschland, um zu arbeiten. Das erlaubte ihnen Deutschland anfangs für maximal 2 Jahre, aber später wurde noch einmal verhandelt, u nd das Zeitlimit wurde gestrichen.

Das war eine Win-Win Situation für Deutschland und die Türkei: Deutschland konnte Arbeitskräfte bekommen, und die Türkei hatte einen Vorteil durch das Geld, das die türkischen Arbeiter aus Deutschland in ihre Heimat zurückschickten. Alles in allem kamen fast 900.000 Menschen aus der Türkei nach Deutschland, und viele davon sind bis heute geblieben.

Vielleicht erzähle ich in einer anderen Episode mehr über die türkischen Gastarbeiter. Wichtig ist aber für die Geschichte des Döner, dass in einer kurzen Zeit sehr viele Türken herkamen, die ihre eigene Kultur mitbrachten.

So haben die Türken auch ihr eigenes Essen mitgebracht, das in Deutschland nicht so bekannt war. Ein Gericht namens Döner gibt es in der Türkei zum Beispiel schon. Es ist aber sehr anders als der deutsche Döner, den wir heute kennen. Ursprünglich war ein Döner ein Teller-Gericht, das heißt ohne Brot. Auf dem Teller landet eigentlich nur das Dönerfleisch, etwas Reis und gegrilltes Gemüse. Es gibt keinen Salat und keine Soße, und das Gericht ist kein schneller Imbiss wie in Deutschland.

Es ist nicht ganz klar, wer den Döner wirklich nach Deutschland gebracht hat, und vor allem, wer ihn zu dem Gericht gemacht hat, das wir heute kennen. Aber vieles spricht dafür, dass es Kadir Nurman war.

Nurman kam wie viele andere Türken als Gastarbeiter nach Deutschland. Er lebte in Berlin, und er hat schnell gemerkt, dass Deutsche viel und gerne arbeiten. Sie brauchen in ihrer Mittagspause ein schnelles Essen. Ein Essen, dass sie im Laufen und aus den Händen essen können.

So kam ihm 1972 die Idee: Ich könnte das Döner-Fleisch in ein Brot legen. Ein voller Erfolg - aber am Anfang eher bei Kunden, die auch Gastarbeiter aus dem Ausland waren. Bis die Deutschen den Döner im Brot entdeckten, dauerte es noch ein paar Jahre. Später kam dann auch noch der Salat und die Soße ins Brot.

Auch wenn viele denken, der Döner wäre typisch türkisch, stimmt das so nicht ganz. In der Form, wie wir ihn essen, ist er typisch deutsch. In der Türkei gab es Döner-Fleisch früher nur einmal die Woche, als Luxus. Erst mit dem Update aus Deutschland konnte sich der Döner durchsetzen - und er ist mittlerweile auch in der Türkei im Brot beliebt.

Noch heute ist Berlin die "Hauptstadt des Döners". Es gibt sehr viele Dönerläden. Der Döner ist neben der Currywurst, über die ich auch eine Folge gemacht habe, ein Wahrzeichen von Berlin. Eine Berliner Spezialität, sozusagen.

Der Döner-Erfinder Nurman ist leider schon gestorben. Im Jahr 2013 gab er aber ein Interview, in dem er sagte: Sein ursprünglicher Döner war sehr einfach. Nur Brot, Fleisch, etwas Zwiebeln und Salat. Sein Döner kostete ursprünglich nur 1,50 deutsche Mark. Das sind umgerechnet in heutiges Geld ungefähr 2,80€.

Nurman sagte, dass Döner heute zu viele Zutaten haben, und dass viele Dönerverkäufer das Fleisch nicht mehr selbst zubereiten. Nurman hat sich das Herstellen vom Fleischspieß damals nämlich selber beigebracht und die Spieße auch immer selbst gemacht.

Heute gibt es sehr viele verschiedene Varianten von Döner. Es gibt Döner mit Hähnchen, Falafel, vegane Döner, Hipster Döner, bayerische Döner mit Leberkäse und noch so viel mehr. Oft ist der Döner auch nicht mehr so billig wie früher. 7€ oder mehr ist inzwischen ein normaler Preis geworden.

Ich frage mich, ob der Döner die letze Zeit über nicht ein wenig seine Seele verloren hat. Als ich noch klein war, konnte man für kleines Geld einen sehr einfachen, aber leckeren Döner bekommen. Und zwar von einem Dönermann, den man persönlich kannte und dem es einfach Spaß machte, Menschen mit Essen zu versorgen.

Heute gibt es all die speziellen Sorten, das Fleisch ist nicht mehr selbst gemacht, und das Gericht ist bei den Preisen wohl eher ein Luxus. Große Ketten wachsen in den Städten immer mehr, das persönliche fehlt. Es gibt sie noch, die kleinen Dönerläden, die mit Liebe geführt werden, aber sie werden weniger.

Trotzdem ist ein Döner nach wie vor eine sehr leckere Mahlzeit. Vielleicht holst du dir bald auch mal wieder einen? Außerdem ist für mich ein Döner ein Zeichen für geglückte Integration. Die türkischen Gastarbeiter haben etwas gefunden, was sowohl den Türken als auch den Deutschen schmeckt, und das schafft einfach Verbindungen zwischen den Völkern. Ich finde das sehr schön!

Ich bin nun am Ende der heutigen Folge angekommen. Wie schon gesagt, ich habe die website ganzschoendeutsch.de, auf der du den Text nachlesen und dich über alles Aktuelle zum Podcast informieren kannst. Hoffentlich konntest du heute etwas Deutsch lernen! Und jetzt, abschalten