Seit 2023 gibt es in Deutschland das Deutschlandticket. Das ist eine echte Revolution im Bereich der Fahrkarten, und in dieser Folge erzähle ich dir mehr über die Geschichte und die Funktion dieses Tickets. Lass uns loslegen.
Deutschlands öffentlicher Nahverkehr mit seinen Zügen und Bussen hat zwar einen
schlechten Ruf, aber es ist bei weitem nicht alles schlecht.
Öffentlicher Nahverkehr, das sind alle Züge und Busse, die vom Staat zur Verfügung
gestellt werden. Sie sind also öffentlich und sollen die Bürger mobil machen. Und
übrigens: den öffentlichen Nahverkehr nennt man in der gesprochenen Sprache oft einfach
nur die "Öffis".
Wir haben zum Beispiel eine sehr dichte Abdeckung, auch auf dem Land. Das bedeutet, es gibt Verhältnismäßig viele Orte, an die man mit dem öffentlichen Verkehr kommt. Außerdem kommen die Züge und Busse im Vergleich sehr häufig, also nicht nur einmal pro Tag oder Woche, sondern oft zum Beispiel stündlich.
Zwei Sachen gibt es aber, die hier lange ein Problem waren.
Erstens: Fahrkarten gelten oft nur in bestimmten Städten oder Regionen. Wenn ich in
München eine Monatskarte für die U-Bahn habe, kann ich mit dieser nicht in Nürnberg die
S-Bahn fahren. Oft gibt es sogar bestimmte Zonen-Modelle, sodass eine Karte nur für
bestimmte Viertel einer Stadt gültig ist.
Zweitens: Der Preis für Einzel-Fahrkarten oder eine Monatskarte kann sehr hoch sein. Für
eine einzelne Fahrt kann 5€ oder mehr verlangt werden, für eine Monatskarte oft mehrere
hundert €.
Diese Probleme hat im Mai 2023 das Deutschlandticket behoben. Es war damals noch als 49€-Ticket bekannt, mittlerweile kostet es 67€. Mit einem Deutschlandticket kann man in ganz Deutschland den öffentlichen Nahverkehr für einen ganzen Monat verwenden. Egal, ob in Berlin, Dresden, Stuttgart oder München.
Nur Achtung: Öffentlicher Nahverkehr bedeutet: Nur regionale Züge und Busse. Züge wie ICE's oder Intercities, die sehr weit und sehr schnell fahren, werden nicht vom Staat, sondern von privaten Unternehmen betrieben. Man darf also mit einem Deutschlandticket KEINE ICE's fahren. In der DB-Navigator App kann man aber nach Deutschlandticket-Verbindungen filtern, sodass man das sehr leicht herausfinden kann.
Dadurch, dass das Deutschlandticket im ganzen Land gilt, kann man aber, wenn man das möchte, auch ohne ICE große Strecken zurücklegen. Man muss nur etwas Zeit mitbringen.
Ein Beispiel: Ein ICE von München nach Hamburg ist nämlich durchschnittlich ca. 5:30 bis 6:30 Stunden unterwegs, und man muss meistens nicht umsteigen. Man hat viel Komfort, einen bequemen Sitz, muss nicht aufstehen und kann sich sogar im Board-Restaurant etwas zu essen bestellen. Das ICE-Ticket muss man aber zahlen, man kann das Deutschlandticket nicht im Schnellzug verwenden.
Im Gegensatz dazu: Mit dem Deutschlandticket kann man nur Regionalzüge verwenden, die deutlich langsamer fahren und öfter anhalten. Man wird auch mehrere Male umsteigen müssen.
Trotzdem kommt man je nach Verbindung, in etwa 11 bis 14 Stunden von München nach Hamburg. Eine beispielhafte Verbindung wäre, dass man um 11:05 in München losfährt, und um 22:05 in Hamburg ankommt. Man muss dabei aber in Nürnberg, Erlangen, Erfurt, Göttingen und Hannover umsteigen.
Für den Umstieg hat man manchmal nur wenige Minuten, dadurch wird es riskant, dass man seinen Anschlusszug verpasst. Aber wenn man ein Deutschlandticket hat, sollte das einen nicht ärgern. Denn man kann mit dem Deutschlandticket dann einfach in den nächsten Zug steigen. Und da Züge in Deutschland recht häufig fahren, sollte der meistens in weniger als 60 Minuten am Gleis auftauchen.
Nun etwas zur Geschichte des Deutschlandtickets. Wie ich schon gesagt hatte, waren Tickets vor dem Deutschlandticket oft kompliziert, teuer oder galten nur für kleine Gebiete. Es wäre zwar schön gewesen, wenn man dieses Chaos bewusst mit dem Deutschlandticket hätte bekämpfen wollen, aber die eigentliche Geschichte des Deutschlandtickets ist viel einfacher.
Im Jahr 2022 gab es nämlich einige große wirtschaftliche Probleme. Gas zum Heizen und Öl zum Herstellen von Benzin wurde durch den Ukraine-Krieg sehr teuer. Und außerdem hatten viele Personen und Unternehmen durch die Corona-Pandemie immer noch wenig Geld.
Deswegen wurde zuerst ein sogenannter Tankrabatt von der Regierung eingeführt. Tankrabatt bedeutet, dass man für das Tanken von seinem Auto etwas weniger zahlen muss. Die Regierung hat nämlich die Steuern für Benzin abgesenkt, dadurch wurde das Benzin dann für Autofahrer billiger.
Der damalige Verkehrsminister Volker Wissing wollte aber nicht, dass nur Autofahrer Geld sparen konnten. Er schlug vor, dass man auch die Menschen entlasten soll, die mit Zug und Bus fahren.
Seine Idee war das 9€-Ticket, und dieses Ticket ermöglichte es, für 9€ im Monat in ganz Deutschland den öffentlichen Nahverkehr zu verwenden. Ja, du hast richtig gehört, für 9€ in ganz Deutschland, und das für einen ganzen Monat. Das ist billiger als ein Haarschnitt oder eine Pizza.
Das war eine total innovative und neue Idee, denn wie gesagt, davor musste man für jedes Gebiet eine neue Karte kaufen. Oft war schon eine Tagesfahrkarte teurer als das 9€ Ticket, weshalb es für fast jede Reise Sinn gemacht hat, ein 9€ Ticket zu kaufen. Dann konnte man sogar noch den ganzen Monat lang fahren.
Du wirst dir denken können, dass das 9€ Ticket ein riesiger Erfolg war. Manche sagen, vielleicht zu erfolgreich: Durch den billigen Preis wollten immer mehr Leute mit dem Zug fahren, sodass die Züge überfüllter wurden. Teilweise nervte das Menschen, die schon zuvor mit dem Zug pendeln mussten. Pendler, das sind Personen, die zur Arbeit an einen anderen Ort fahren müssen.
Aber, obwohl das 9€ Ticket bei diesem Preis sicherlich nur eine vorübergehende Aktion sein konnte, es machte doch deutlich: Es ist sehr viel angenehmer, wenn man mit einem einzigen, günstigen Ticket alles abdecken kann. Man muss sich nicht bei jedem Besuch in einer anderen Stadt über die Tarife Gedanken machen. Auch Menschen, die sich mit dem öffentlichen Verkehr überhaupt nicht auskennen, können mit einem solchen Ticket sehr leicht fahren. Es wurden jeden Monat ca 27 Millionen 9€ Tickets verkauft.
Deswegen hat sich die Regierung damals überlegt, dass es einen Nachfolger geben muss. im Mai 2023 wurde schließlich das Deutschlandticket geboren. Und seit dem hat sich das Öffi-Fahren grundlegend verändert. Volker Wissing bezeichnete das Ticket als einen "Riesenerfolg".
Nun ganz kurz noch zu den Bedingungen des Tickets: Man kann es immer nur für einen ganzen Monat, also für einen Mai, Juni, August, und so weiter kaufen, nicht für 30 Tage ab heute. Deswegen kann es sein, dass man ein Deutschlandticket beispielsweise am 28. August kauft, und schon 4 Tage später, also am 1. September, das Ticket nicht mehr gültig ist. Trotzdem kostet das Ticket auch in diesem Fall aber den vollen Preis.
Wenn man das Deutschlandticket nicht kündigt, verlängert es sich automatisch. Das bedeutet, man bekommt jeden Monat ein neues Ticket und der Betrag wird vom Konto abgebucht. Wenn man das nicht möchte, muss man das Ticket bis zum 10. Tag des vorherigen Monates kündigen.
Diese Bedingungen finde ich etwas schade, da sie es schwerer machen, dass man das Ticket spontan und auch als Tourist gut kaufen kann. Für Leute, die aber ohnehin öfter Öffis fahren oder pendeln, ist es aber eine super Option.
Einen letzten Tipp habe ich jetzt noch für die, die immer noch zuhören. In bestimmten Fällen kann man das Deutschlandticket auch im Ausland verwenden. Man kann zu bestimmten Bahnhöfen in deutschen Nachbarländern fahren. Die liegen oft nur kurz hinter der Grenze und zählen auf komplizierte Art und Weise noch zum deutschen Tarif.
Du kannst zum Beispiel problemlos von München nach Salzburg, also nach Österreich fahren. In Richtung Niederlande kannst du zum Beispiel nach Venlo oder Arnheim, in die Schweiz kommt man bis nach Basel Bad. Auch nach Polen kommt man in einige weniger bekannte Städte.
Auf anderen Strecken kommt man mit dem Deutschlandticket bis an die Grenze, und muss dann nur den ausländischen Abschnitt bezahlen, ohne dass man umsteigt. So kommt man zum Beispiel mit dem RE5 von München nach Prag in Tschechien.
Schau da aber bitte noch einmal genau nach, bevor du dich auf die Reise machst. Ich will nicht Schuld sein, falls du ohne Ticket eine Strafe bekommst :)
Ich hoffe, du fandest die Geschichte des Deutschlandtickets interessant und planst vielleicht selber schon bald eine Reise damit. Ich bin nun am Ende der heutigen Folge angekommen. Wie schon gesagt, ich habe die website ganzschoendeutsch.de, auf der du den Text nachlesen und dich über alles Aktuelle zum Podcast informieren kannst. Hoffentlich konntest du heute etwas Deutsch lernen! Und jetzt, abschalten