Heute erzähle ich von Rosa Luxemburg. Rosa Luxemburg ist berühmt in Deutschland, weil sie im 20. Jahrhundert für Freiheit und Gerechtigkeit in Deutschland gekämpft hat. Sie hat sehr mutig gekämpft und war eine der einflussreichsten Frauen in der Geschichte von Europa. Am Ende musste sie leider diesen Kampf mit ihrem Leben bezahlen. Gerade darum ist es wichtig, dass wir weiterhin von ihr erzählen.
Rosa Luxemburg wurde am 5. März 1871 in Zamość geboren. Ihre Vater war ein Holzhändler, und die Familie lebte in Polen. Die Familie war auch jüdisch, was in dieser Zeit sehr schwierig war. Viele Leute hatten nämlich Vorurteile und Hass gegen Juden, das nennt man Antisemitismus.
Die Familie zog 1873 in die polnische Hauptstadt Warschau, dort konnte Rosa dann zur Schule gehen.
Rosa Luxemburg war schon als Schülerin sehr klug und an verschiedenen Dingen interessiert. So engagierte sie sich schon damals in der Schule für Politik. Sie war sogar Mitglied von einigen politischen Gruppen, die illegal waren. Außerdem lernte sie viele Sprachen, sie konnte nämlich Deutsch, Polnisch, Russisch, Latein und Altgriechisch fließend sprechen. Sie übersetzte auch sehr gerne deutsche Gedichte ins Polnische.
Vielleicht weisst du, dass es in dieser Zeit in Osteuropa sehr viel Unruhe und politische Kämpfe gab. Ganz vereinfacht gesagt: Die russische Regierung, die von einer Art König, dem Zaren, geführt wurde, kämpfte gegen die Kommunisten. Das ist eine politische Gruppe, die von Philosophen wie Karl Marx inspiriert wurde. Nocheinmal stark vereinfacht: Die Kommunisten wollten eine Gesellschaft schaffen, in der alle Menschen gleich sind. Das bedeutet auch: Sie wollen, dass es keinen König oder Zaren gibt. Und jeder soll das gleiche haben, niemand soll mehr als seine Mitmenschen besitzen.
Wie schon gesagt: Rosa war Mitglied in einer solchen kommunistischen Gruppe, die illegal war und sich gegen den russischen Zaren richtete. Deshalb musste sie nach ihrem Abitur aus Warschau fliehen. Sie ging in die Schweiz, um zu studieren.
Dort befasste sich Rosa weiterhin mit dem Kommunismus und dem Marxismus. Sie gründete sogar eine Zeitschrift. Darin rief sie dazu auf, dass die Wirtschaftsordnung Kapitalismus und die Staatsform Monarchie in Europa gestürzt werden soll.
Kapitalismus ist sozusagen das Gegenteil des Kommunismus. Kapitalismus beruht auf Eigentum und Konsum, und wir haben ihn noch heute in den meisten Ländern. Die Monarchie dagegen gibt es nur noch in sehr wenigen Ländern. Der Monarch ist ein König, der nicht von den Bürgern gewählt wird. Er regiert ein Land, ohne dass es Demokratie oder Mitsprache der Bevölkerung gibt.
Rosa Luxemburg engagierte sich also schon in frühen Jahren in der Politik, und sie hatte ein großes Herz für die einfachen Menschen, die Arbeiter. Sie glaubte, dass die Freiheit eines Einzelnen immer mit der Freiheit von Allen verbunden ist. Sie war dabei auch sehr durchsetzungsstark und radikal. Sie scheute es nicht, sich auch mit mächtigen Menschen anzulegen.
Weil sie sich noch stärker in der Politik einsetzen wollte, gründete sie mit Freunden eine sozialdemokratische Partei in Polen, und schloss sich auch der SPD in Deutschland an. Die SPD Ist die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, und sie existiert auch heute noch. Dafür zog Rosa auch 1898 nach Berlin.
In dieser Zeit arbeitete sie viel in der SPD mit. Sie galt als sehr intelligent und stark, doch ihre scharfe Zunge bereitete Rosa immer wieder Probleme.
Zum Beispiel musste sie im Jahr 1904 für mehrere Monate ins Gefängnis, weil sie angeblich den deutschen Kaiser beleidigt hatte.
In dieser Zeit wurde es in Europa immer gefährlicher. Ein großer Krieg drohte auszubrechen. Das war der Krieg, den wir heute den 1. Weltkrieg nennen. Rosa Luxemburg war ein großer Gegner dieses Krieges. Sie rief 1913 dazu auf, dass die Menschen den Kriegsdienst verweigern sollten. Das bedeutet, sie will, dass die Menschen im Krieg nicht mitkämpfen, auch wenn der Staat das möchte. Diese Aktion brachte ihr ein weiteres Jahr Gefängnisstrafe ein. Und 1914 brach der erste Weltkrieg trotzdem aus. Sie sprach sich weiter gegen den Krieg aus, und wurde deshalb mehrmals verhaftet. So verbrachte sie dieses Jahre meist im Gefängnis.
Im Jahr 1918 endete der 1. Weltkrieg, und es gab in Deutschland die sogenannte Novemberrevolution. Das ist ein eigenes großes Thema, über das ich eine weitere Folge machen will. Hier will ich nur so viel erklären: Die Novemberrevolution führte dazu, dass der Kaiser abgesetzt, und die Monarchie in Deutschland beendet wurde. Deutschland wurde in dieser Zeit von einem Kaiserreich zu einer Demokratie. Viele verschiedene sozialistische Gruppen arbeiteten in dieser Zeit zusammen an der Revolution, um viele Dinge zu ändern und einen neuen Staat zu gründen. Diesen neuen Staat nennen wir die Weimarer Republik.
In dieser Zeit wurde Rosa Luxemburg wieder aus dem Gefängnis entlassen. Sie sah die Chancen, die diese Zeit bot. Sie wollte sich weiterhin für ihre politischen Ziele einsetzen und Berlin nicht verlassen, obwohl es für sie sehr gefährlich war. Weil die Monarchie gestürzt wurde, gab es in Deutschland nämlich einen großen Umbruch, und die Zeit war sehr unsicher.
Sie gründete mit anderen in dieser Zeit den sogenannten Spartakusbund. Dabei waren auch andere wichtige Persönlichkeiten wie Karl Liebknecht im Spiel. Auch Liebknecht hatte in dieser Zeit viel in Deutschland verändert. Aus dem Spartakusbund wurde später die KPD, das ist die Kommunistische Partei Deutschlands.
Die politische Situation in Deutschland war zu diesem Zeitpunkt sehr kompliziert. Es gab wie gesagt verschiedene Gruppen, die alle einen neuen Staat gründen wollten.
Hier muss ich es wieder etwas vereinfachen: Die neue Regierung wollte mit dem Militär des alten Kaiserreichs zusammenarbeiten, obwohl der Kaiser ja eigentlich schon gestürzt war. Damit wollte die Regierung erreichen, dass der Übergang zwischen Kaiserreich und Republik stabil läuft.
Das gefiel aber vielen anderen Gruppen nicht. Sie wollten eine komplett neue Ordnung und einen neuen Staat. Dass man weiterhin mit den Soldaten und Generälen des Kaisers zusammenarbeitet, konnten sie nicht verstehen. Man wollte doch eigentlich die Macht des Kaisers beenden und nicht weiter bestehen lassen. Eine dieser Gruppen war auch der Spartakusbund von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Es gab sehr viele Demonstrationen gegen diese Entscheidung. In dieser Zeit merkte man sehr genau, dass es Probleme zwischen den verschiedenen Gruppen gab, die an der Novemberrevolution beteiligt waren. Diese Probleme führten letztendlich am 4. Januar 1919 zum sogenannten Spartakusaufstand.
Begonnen hat der Spartakusaufstand mit großen Demonstrationen in Berlin. Es gab auch Straßenkämpfe, bei denen die Revolutionären gegen Regierungssoldaten kämpften. Das ziel der Aufständischen war es, die Revolution bis zum Ende fortzuführen.
Die Regierung entschied dann, dass der Aufstand beendet werden muss. Sie wollten den Aufstand mit Soldaten niederschlagen. Diese Soldaten waren meistens genau die, die noch aus dem alten Militär des Kaisers kamen.
Der Aufstand wurde also mit Gewalt niedergeschlagen. Das war sehr blutig, es gab viele Tote.
Und auch für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ging die Geschichte leider nicht
gut aus.
Da sie auch während des Spartakusaufstands mutig mitgemacht hatte, wurde sie zu
einem Regierungsfeind. Sie musste sich verstecken.
Aber am 15. Januar 1919 wurde sie und Liebknecht in der Wohnung eines Freundes gefunden, und gefangen genommen. Rosa wurden in ein Hotel gebracht. Dort wurde sie mehrere Stunden von dem Offizier Waldemar Pabst befragt und misshandelt. Pabst beschloss schließlich, dass die beiden getötet werden müssten. Bis zum Ende seines Lebens sagte er, dass er dadurch nur den Staat beschützt habe. Er sah es nie als Mord.
Rosa Luxemburg wurde also mit einigen Soldaten aus dem Hotel geführt. Vor dem Eingang stand ein Jäger bereit. Als Rosa aus dem Eingang kam, schlug der Jäger sie zu Boden, sodass sie ohnmächtig wurde. Die Soldaten trugen sie zu ihrem Auto. Dort wurde Rosa mit einer Pistole tot geschossen.
Rosa Luxemburgs Leichnam wurde von einer Brücke in einen Fluss geworfen. Die Leiche wurde erst im Mai im Fluss wiedergefunden. Erst dann konnte Rosa begraben werden.
Die Morde an Luxemburg und Liebknecht haben die sozialistische Bewegung in Deutschland sehr verändert. Sie sorgten dafür, dass sich die revolutionären Gruppen immer weiter zersplitterten. Das bedeutet, sie arbeiten nicht mehr zusammen, sondern teilen sich in kleinere Gruppen auf.
Es waren die ersten politischen Morde der Weimarer Republik, weitere folgten
bald.
Das hatte sehr weitreichende Folgen. Die Revolution war an dieser Stelle
beendet, und die alten Soldaten des Kaisers arbeiteten weiterhin mit der
Regierung zusammen. Außerdem hatten die Morde zur Folge, dass politische Gewalt
in der Weimarer Republik bald normalisiert wurde.
Dafür reicht die Zeit in der Folge jetzt nicht mehr.
Aber viele Historiker glauben: Das war ein wichtiger Grund, warum die
Nazionalsozialisten unter Adolf Hitler später an die Macht kommen konnten.
Zusammengefasst: Rosa Luxemburg war eine mutige Frau, und ihr Mord war eine ungerechte, feige Tat. Luxemburg hat in der Geschichte viel verändert, und wir können von ihrem Leben einiges lernen.
Damit bin ich nun am Ende der heutigen Folge angekommen. Wie schon gesagt, ich habe die website ganzschoendeutsch.de, auf der du den Text nachlesen und dich über alles Aktuelle zum Podcast informieren kannst. Hoffentlich konntest du heute etwas Deutsch lernen! Und jetzt, abschalten