Viele Ausländer sind vielleicht verwirrt, wenn sie am Sonntag in Deutschland einkaufen
wollen: Alle Läden haben geschlossen, in der Stadt ist nichts los.
Dass in Deutschland am Sonntag ein Ruhetag ist, das wissen die allermeisten. Aber warum
ist das so? Und welche Argumente gibt es dafür, das zu ändern? Davon erzähle ich dir
heute.
Ursprünglich kommt der Sonntag als Ruhetag aus der Religion. Die Geschichte geht so: Gott hat in 7 Tagen die Welt erschaffen. An den ersten sechs Tagen musste er hart arbeiten, aber am 7. Tag ruhte er sich aus.
Bei den Juden heißt dieser siebte Tag Sabbat, und auch bei den Christen gibt es den Sonntag als Ruhetag. Sonntags feiert man in der Kirche einen Gottesdienst, und laut der Bibel ist Jesus Sonntags von den Toten auferstanden.
Das erste offizielle Gesetz zum Sonntag, das wir kennen, stammt von einem römischen Kaiser. So soll Kaiser Konstantin im Jahr 321 zu allen römischen Bürgern gesagt haben: Ihr dürft am Sonntag nicht arbeiten.
Natürlich endete das Römische Reich nicht allzu lang danach. Damit war es mit den Ruhetag erst einmal vorbei. Erst im MIttelalter wurde der Sonntag von der Kirche wieder zum Ruhetag gemacht.
Aber auch das Mittelalter endete irgendwann und die Industrialisierung begann. In dieser Zeit wurden viele Fabriken gebaut, und man benötigte Arbeiter. Dann war ganz klar, dass die Arbeiter jeden Tag arbeiten mussten, damit sie möglichst viele Produkte herstellen konnten.
Lange gab es deswegen sogar Kinderarbeit. Diese wurde als erstes von Preußen verboten. So hieß früher ein Land, das einen großen Teil vom heutigen Deutschland besaß. Heute gibt es Preußen aber nicht mehr.
Erst am Ende des 19. Jahrhunderts hat Kaiser Wilhelm der II. dann wieder Arbeiten am Sonntag verboten.
Auch als der Kaiser gestürzt wurde, und die Weimarer Republik geboren wurde, war der Sonntag in der Weimarer Verfassung geschützt. Auch die Bundesrepublik Deutschland hat den Schutz des Sonntags so in das Grundgesetz geschrieben.
Heute gibt es immer mehr Diskussionen um den Sonntag als Ruhetag. Wie gesagt, aktuell ist er gesetzlich im Grundgesetz als Ruhetag festgelegt, aber das möchten einige Gruppen ändern.
Viele Menschen sagen: Das Leben hat sich in der modernen Zeit verändert. Viele Leute arbeiten sowieso schon anders als vor 50 Jahren. Sie wollen vielleicht mehr freie Zeit unter der Woche, und ihnen macht es dafür nichts aus, am Sonntag zu arbeiten.
Es gibt auch Menschen, die vielleicht unter der Woche keine Gelegenheit zum Einkaufen haben. Ihnen würde es helfen, wenn sie auch am Sonntag in den Laden gehen könnten.
Sie finden auch, dass es am Sonntag sehr langweilig werden kann. In anderen Ländern gibt es viele Angebote, man kann Shoppen, oder sich um wichtige Einkäufe kümmern. In Deutschland bleibt einem nur Kaffee und Kuchen an einem Sonntagnachmittag übrig.
Außerdem sagen sie, dass ohnehin schon viele Leute am Sonntag arbeiten. Es gibt Busfahrer, Krankenpfleger, Kellner im Restaurant oder Mitarbeiter im Kino oder im Zoo. All diese Berufe haben auch am Sonntag etwas zu tun, und können trotzdem ein schönes Leben haben
Im Gegensatz dazu sagen viele Menschen aber auch, dass der Ruhetag geschützt werden muss. Allem voran sind das die Christlichen Kirchen, aber auch viele normale Leute haben diese Meinung.
Sie sagen, dass die Leute eine Pause vom Auszeit einzuwenden ist.
Außerdem sehen sie es als positiv, dass am Sonntag sehr viele Menschen gleichzeitig frei haben. So können sie sich regelmäßig gemeinsam treffen, ohne dass sie kompliziert ihre Urlaubstage zusammen planen müssen.
Wie siehst du das? Findest du es schön, dass es in Deutschland jede Woche einen ruhigen Tag gibt, oder nervt es dich eher, dass man so eingeschränkt ist?
Ich bin nun am Ende der heutigen Folge angekommen. Wie schon gesagt, ich habe die website ganzschoendeutsch.de, auf der du den Text nachlesen und dich über alles Aktuelle zum Podcast informieren kannst. Hoffentlich konntest du heute etwas Deutsch lernen! Und jetzt, abschalten