Folge 3: Verkehrsmittel: Der ICE

Hallo zusammen, und willkommen bei Ganz schön Deutsch. Das ist ein Podcast für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, und nach verständlichen, klar gesprochenen Hörtexten suchen. Den Text dieser Folge kannst du auf meiner Website ganzschoendeutsch.de mitlesen. Den Link dazu gibt es auch in der Beschreibung des Podcasts.

Lasst uns loslegen :)

Von München nach Berlin in unter 4 Stunden. So reisen jeden Tag Millionen Deutsche mit dem Zug - dem ICE. Der InterCityExpress legt hier eine Strecke zurück, die mit dem Auto 600 Kilometer und fast 6 einhalb Stunden dauert. Und das macht der ICE mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h nach Fahrplan in 4h. Mit dem Fahrplan meint man die Pläne, in denen steht, zu welcher Zeit Züge an bestimmten Stationen abfahren und wann sie ankommen.
Diesen Mai feiert der ICE, wie wir ihn heute kennen, seinen 35. Geburtstag. Der in meinen Augen wirklich schöne Zug ist überall bekannt, mit seiner weißen Lackierung und dem Design mit dem roten Band auf der Seite. Ich finde, Reisen im ICE ist angenehm, umweltfreundlich, und kann sehr viel Spaß machen.
Doch was ist die Geschichte des ICE? Wie wurde er erfunden und welche Probleme gibt es heutzutage mit dem Schnellzug-Betrieb? Das möchte ich in der heutigen Folge erklären.

Der ICE ist der erste Hochgeschindigkeits-Zug Deutschlands. Unter Hochgeschwindigkeitszügen versteht man Züge, die mit mehr als 200km/h schnell fahren und größere Städte verbinden. Das er der erste in Deutschland war, ist aber gar nicht so einmalig, wie es sich anhört. Deutschland gehört nämlich zu den Ländern, die erst relativ spät eigene Schnellzüge entwickelten.
Während in Japan schon 1964 die Menschen im Shinkansen durch die Gegend zischten und die Franzosen seit 1981 im TGV mit Champagner anstoßen, fuhr man in Deutschland sogar noch bis 1977 regulär mit Dampfzügen. Das sind Züge, die sich mithilfe von Dampf bewegen, der durch das Verbrennen von Kohle und das Verdampfen von Wasser erzeugt wird.
Es gab also in Deutschland selbst zum Anfang der 1980er Jahre keine Versorgung mit richtigen Hochgeschwindigkeits-Zügen. Deshalb gab die Deutsche Bahn 1983 die Entwicklung des ICEs in Auftrag. Die Deutsche Bahn, kurz DB, ist der staatliche Konzern, der sich um den Bahnverkehr in Deutschland kümmert. Sie ist dafür verantwortlich, die Schienen in gutem Zustand zu halten und Züge von A nach B zu schicken.

Also, nun begann die Entwicklung des ersten ICE Prototypen, genannt Intercity Experimental. Die Bahn und die Politik gaben dem Zug damals die folgende Anforderung: "Halb so schnell wie das Flugzeug, doppelt so schnell wie das Auto", und ich finde, der Spruch passt heute, 35 Jahre später, immer noch ganz gut. An der Entwicklung des Intercity Experimental waren damals 13 große Deutsche Firmen beteiligt, unter anderem Krupp, AEG und Siemens.

1985 wurde schließlich das erste reale Modell des Intercity Experimental an die Bahn übergeben. Mit diesem Versuchszug konnte die DB 1988 bei einer Probefahrt zwischen Fulda und Würzburg einen Weltrekord aufstellen. Ganze 406,9 km/h konnte der Zug damals unter idealen Bedingungen fahren.

Drei Jahre später waren die Tests und Versuche dann abgeschlossen. Nun ging der ICE 1 dann in den Regelbetrieb auf den Schienen in Deutschland. Das bedeutet, dass er ab sofort nicht mehr nur als Experiment fuhr, sondern regulär und regelmäßig Ziele im ganzen Land miteinander verband.

Der ICE 1 bestand damals aus 14 Wägen. Davon sind zwei Wägen sogenannte Triebköpfe, in diesen Wägen befindet sich der Antrieb des Zuges und der Führerstand, also sozusagen das Cockpit an beiden Enden des Zuges. Die übrigen Wägen beinhalten die Sitze der ersten und zweiten Klasse, und außerdem auch das Bordbistro. Das ist ein kleines Restaurant, in dem man während der Fahrt Essen und Getränke genießen kann. Der Zug war in der Konfiguration mit 14 Wägen ungefähr 410 Meter lang und bot Platz für 192 Fahrgäste in der ersten Klasse, sowie 567 Reisende in der zweiten Klasse. Spätere ICEs wie der ICE2, ICE3, und die neueste Version, der ICE4 unterscheiden sich durch ein moderneres Design, unterschiedliche Geschwindigkeiten und Anzahlen von Wägen. Außerdem wird bei den neueren Versionen der Antrieb, also der Motor, statt nur am Anfang und Ende des Zuges flexibel in allen Wägen verteilt.

Übrigens: Deutsche Ingenieurskunst zahlt sich aus! Noch heute fahren viele der alten ICE1 Züge regulär auf deutschen Schienen. Wären sie nicht Züge, sondern Autos, dann würde man sie wohl als Oldtimer bezeichnen. Das ist eine deutsche Bezeichnung für "classic cars".

Es gibt im übrigen auch verschiedene Sonderlackierungen für den ICE. Damit meine ich Designs für den Zug, die sehr besonders und außergewöhnlich aussehen, aber nur auf einzelnen Zügen verwendet werden. Hauptsächlich unterscheidet sich dabei der rote Streifen an der Seite des Zuges. Zum Beispiel fährt ein ICE mit einem Streifen im Design der Deutschlandflagge durch das Land. Außerdem gibt es es einen Europa ICE mit blauem Streifen, der die EU Flagge darstellt und die Bahn innerhalb Europas feiern soll. Während Corona gab es auch einen ICE mit Maske auf der Nase, und außerdem gibt es auch einen Regenbogen-ICE für homosexuelle Personen. Trainspotter stehen oft stundenlang am Gleis, in der Hoffnung, einen dieser besonderen Züge zu erwischen.

Allgemein bekannt ist ja, dass der Zug (abgesehen vom Flugzeug) das sicherste Verkehrsmittel ist. Das stimmt zwar schon, allerdings bleib leider auch der ICE nicht vor einigen sehr schlimmen Unfällen verschont. Der bekannteste einen ICE betreffende Unfall ist wohl der Eisenbahnunfall von Eschede. Dort entgleiste ein Zug auf dem Weg vom München nach Hamburg. Entgleisen, das bedeutet, dass der Zug aus irgendeinem Grund aus den Schienen oder Gleisen springt, die ihn eigentlich leiten sollen.

Man sollte meinen, das wäre schon tragisch genug, doch es kam noch schlimmer. An genau der Stelle, an der der Zug entgleiste, gab es eine Brücke über der Strecke. Während die vorderen Wägen noch unbeschadet unter der Brücke hindurch fahren konnten, prallten die darauf folgenden Waggons mit ungefähr 200 km/h gegen die Brücke, die daraufhin einstürzte. Mit rasender Geschwindigkeit wurde der Großteil des Zuges zerquetscht und unter Trümmern begraben. 101 Personen wurden beim Unfall getötet, 107 Menschen wurden verletzt. Der Zugführer, also der Fahrer des ICEs, bemerkte den Unfall sogar erst am nächsten Bahnhof. Er konnte nämlich mit den vorderen Wagen, die nicht entgleist waren, einfach weiter fahren.

Trotz all des Schreckens schien dieser Unfall aber noch glimpflich ausgegangen zu sein. Es gab nämlich noch einen Gegenzug, also einen andere ICE, der in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war. Dieser und der verunglückte Zug hätten sich nach Fahrplan genau an der Brücke treffen sollen, sodass vermutlich beide Züge zerstört worden wären. Sozusagen "glücklicherweise" hatte der Unfallzug eine einzige Minute Verspätung, sodass der Gegenzug bereits etwas weitergefahren war.

Obwohl dieser Unfall schrecklich war, müssen wir uns heute zum Glück keine Gedanken mehr über dieses spezielle Problem machen: Die Schwachstelle, die zum Unfall geführt hat, wurde mittlerweile gefunden und von der Deutschen Bahn behoben.

Naja, zurück zum schöneren Teil der Geschichte. Seit der Einführung des ICEs konnte der Bahnverkehr nach einem langen Rückgang von Fahrgastzahlen endlich wieder neue Kunden gewinnen. Es folgten weitere Meilensteine, wie zum Beispiel der ICE 3, der bis zu 330km/h fahren kann (allerdings nur in Frankreich und nicht in Deutschland, da hier alle Strecken nur bis zu 300km/h unterstützen). Im Jahr 2024 hatte der ICE-Verkehr der Deutschen Bahn 148 Millionen Fahrgäste.

Jedoch gibt es auch Probleme bei der Bahn. Die Infrastruktur, also die Schienen, Bahnhöfe und Betriebshöfe, wo die Züge repariert werden, ist in schlechtem Zustand. Das liegt daran, dass über Jahrzehnte zu wenig Geld investiert wurde. Im gesamten Deutschen Netz sind nur noch 60% der ICEs pünktlich. Früher sagte man noch "Pünktlich wie die Eisenbahn", wenn man jemanden für sein rechtzeitiges Erscheinen loben wollte. Heute jedoch werden eher Witze über die chronische Verspätung der DB gemacht. Auf der anderen Seite aber werden seit einigen Jahren wieder sehr viele Projekte gestartet, die die Bahn wieder zuverlässiger und pünktlicher machen sollen. Es bleibt spannend, ob sich das Schicksal der Bahn in den nächsten Jahren wieder wendet.

Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht, mit mir mehr über den ICE und den Bahnverkehr in Deutschland zu erfahren. Ich bin nun am Ende der heutigen Folge angekommen. Wie schon gesagt, ich habe die website ganzschoendeutsch.de, auf der du den Text nachlesen und dich über alles Aktuelle zum Podcast informieren kannst. Hoffentlich konntest du heute etwas Deutsch lernen! Und jetzt, abschalten